Pressemitteilung 14/06
vom 12. Juli 2006
5.000 Unterzeichner der Göttinger Erklärung
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft", der
Zusammenschluss der Unterzeichner der ,,Göttinger Erklärung zum
Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004" kann heute
mit der Universität des Saarlandes die 5.000ste Unterzeichnerin
begrüßen.
Frau Prof. Dr. Margret Wintermantel, Präsidentin der Universität des
Saarlandes und Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK),
unterstreicht in ihrer Stellungnahme nochmals die besondere Dramatik der
aktuellen Gesetzgebungsaktivitäten der Bundesregierung für Forschung und
Lehre in den Hochschulen:
,,Die Bundesregierung spielt mit ihrem Gesetzesentwurf den Interessen
der kommerziellen Verwerter von Urheberrechten in die Hände. Verlierer
sind nicht nur die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, deren
Urheberrechte weitgehend preisgegeben werden, sondern auch die
Hochschulen, deren Arbeit unnötig erschwert wird. Deshalb unterstütze
ich mit ganzem Nachdruck die Göttinger Erklärung."
Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes Urheberrecht ein und
fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und Wissenschaft im
öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur weltweiten
Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des Aktionsbündnisses
ist die Göttinger Erklärung. Diese Erklärung wurde unterzeichnet von
sechs Mitgliedern der Allianz der Wissenschaftsorganisationen
(Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.,
Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.,
Hochschulrektorenkonferenz, Max-Planck-Gesellschaft,
Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. und
Wissenschaftsrat), 297 wissenschaftlichen Fachgesellschaften,
Informationseinrichtungen und Verbänden sowie 4.697
Einzelpersönlichkeiten.
Der sog. Zweite Korb zur Änderung des Urheberrechts in der
Informationsgesellschaft ist als Regierungsentwurf am 22. März 2006 vom
Bundeskabinett verabschiedet und am 30. Juni vom Bundestag in erster
Lesung in die Ausschüsse verwiesen worden. Gegenstand des Zweiten Korbs
sind u.a. eine Reihe von Regelungen, die nachhaltig Bildung und
Wissenschaft im digitalen Umfeld (überwiegend negativ) beeinflussen
werden. Der Bundesrat hat den Regierungsentwurf in vielen Punkten massiv
kritisiert und in seinem Beschluss vom 19. Mai 2006 die Regierung und
den Bundestag aufgefordert, sich auf ein bildungs- und
wissenschaftsfreundliches Urheberrecht zu besinnen.
Im Einzelnen enthält die derzeitige Fassung des Gesetzesentwurfes
folgende besonders für die Bildung und Wissenschaft relevante
Änderungen:
- Künftig kann der Urheber einem Dritten zum Zeitpunkt der
Vertragsunterzeichnung noch nicht bekannte, d.h. unbekannte
Nutzungsarten einräumen. Für bestehende Verträge, die eine
ausschließliche Nutzungseinräumung vorsehen, gilt die Digitalisierung
rückwirkend ab 1.1.1966 kraft Gesetzes als Vertragsbestandteil. Dem
Urheber steht ein einjähriges Widerrufsrecht zu, es sei denn, der
Rechteinhaber hat bereits mit der Digitalisierung begonnen. Mit diesem
neuen Recht ist eine Pflicht zur angemessenen Vergütung verbunden.
- Im Rahmen einer neuen gesetzlichen Ausnahme wird es Bibliotheken,
Archiven und Museen künftig gestattet, Bestände, für die keine anders
lautenden vertraglichen Regelungen gelten, digital ihren Nutzern
anzubieten, aber nur an eigens dafür eingerichteten Arbeitsplätzen in
den Räumen der o.g. Einrichtungen wiederzugeben. Für die Wiedergabe ist
eine angemessene Vergütung über eine Verwertungsgesellschaft zu
entrichten. Die im ersten Gesetzentwurf enthaltene Beschränkung, dass
die zeitgleiche Wiedergabe an das exemplarmäßige Vorhandensein
physischer Werkstücke gebunden sein soll, ist entfallen.
- Der Kopienversand auf Bestellung hat ebenfalls Eingang in die Novelle
gefunden. Danach kann jedermann, der eine Kopie zum privaten und
sonstigen eigenen Gebrauch herstellen kann, sich diese auch direkt per
Post und Fax zusenden lassen. Die sonstige elektronische Lieferung ist
nur dann gestattet, wenn der Rechteinhaber nicht selbst pay per view
anbietet. In Anbetracht, dass weltweit bis zu 90% der Kopienversand
durch Bibliotheken als eMail erfolgt, hat die zuletzt genannte
Beschränkung zur Folge, dass der elektronische Kopienversand in und aus
Deutschland einzustellen ist und diese moderne Form der
Informationsversorgung nur noch gegen Marktpreise erhältlich ist.
In einer Gegenäußerung der Bundesregierung vom 14. Juni 2006 zum
Beschluss des Bundesrates verwirft die Bundesregierung in den meisten
Punkten die Forderungen des Bundesrates und hält am Regierungsentwurf
fest. Die Bundesregierung hat den für Bildung und Wissenschaft fatalen
Gesetzentwurf in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni in erster Lesung in
den Bundestag eingebracht, der ihn an den Rechtsausschuss verwiesen hat.
Soweit es nunmehr nicht in den Ausschüssen und zuletzt im Bundestag
selbst gelingt, auf die gravierenden Auswirkungen in der
Informationsversorgung aufmerksam zu machen und diese zu korrigieren,
wird in Deutschland bald der schnelle und unbürokratische Zugang zur
Information nur noch dem offen stehen, der kontinuierlich steigende
Marktpreise für wissenschaftliche Fachliteratur bezahlen kann. Auf die
Hochschulen, insbesondere die Studierenden werden erhebliche
Informationskosten zukommen, die ihnen bislang die Bibliotheken ersparen
konnten.
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
(http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit
der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland
gegründet. Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes
Urheberrecht ein und fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und
Wissenschaft im öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur
weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des
Aktionsbündnisses ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für
Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde
unterzeichnet von sechs Mitgliedern der Allianz der
Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von 297 wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von
mehr als 4.700 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind
Prof. Kuhlen (Konstanz), Prof. Beger (Hamburg), Dr. Degkwitz
(Cottbus). Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at
uni-konstanz.de, beger at sub.uni-hamburg.de und degkwitz at
tu-cottbus.de
Impressum
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
c/o Universität Konstanz
Postfach D-87
D-78457 Konstanz
Tel +49-(0) 7531-88-2879 Fax +49-(0) 7531-88-2048
rainer.kuhlen at uni-konstanz.de www.urheberrechtsbuendnis.de
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News  |
July 15th 2010:
Aktionsbündnis zieht positives Resümee der 2. Anhörung, sieht aber weiteren Handlungsbedarf für Bildung und Wissenschaft
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July 6th 2010:
Aktionsbündnis stellt seinen Entwurf einer Wissenschaftsschranke im Urheberrecht vor
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June 30th 2010:
Mit ENCES (European Network for Copyright in Support of Education and Science) wurde eine wichtige
Interessenvertretung gegründet.
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June 29th 2010:
Ein Leistungsschutzrecht ist für Presse- und Schulbuch-Verlage ist nicht zu rechtfertigen, wie die Anhörung
des BMJ am 28. Juni 2010
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June 15th 2010:
Stellungnahme des Aktionsbündnisses zur Rede der Bundesjustizministerin
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June 14th 2010:
Die Bundesjustizministerin hielt heute ihre Berliner Rede zum Urheberrecht:
[Manuskript der Rede]
[Materialsammlung von IUWIS zum 3. Korb]
Eilmeldung: Stellungnahme des Aktionsbündnisses zur Rede der Ministerin
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Februar 4th 2010:
Die freie Nutzung des mit öffentlichen Mitteln produzierten Wissens muss jedermann möglich sein. Eine Zusatzpetition an den Deutschen Bundestag.
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January 7th 2010:
Das Aktionsbündnis bezieht zum Strategiepapier der EU-Kommission zu Creative Content in a European Digital Single
Market: Challenges for the Future Stellung.
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December 10th 2009:
Das Aktionsbündnis kann das Urteil des OLG Frankfurt
in Sachen § 52b UrhG nicht als angemessen oder gar zukunftsweisend akzeptieren.
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November 30th 2009:
Nachschau der Jahrestagung
Vortragsfolien,
Pressemitteilung
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November 18th 2009:
Google Settlement Version 2 bietet noch Optionen für die Wissenschaft, droht jedoch Europa aus der Sichtbarkeit zu drängen.
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November 14th2009:
Aktionsbündnis beantwortet die öffentlichen Fragen der EUROPEANA zu ihrer strategischen Ausrichtung
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November 12th 2009:
Flyer zur Unterstützung der Open Access Petition publiziert.
(download A5 or
A4 for duplex printout)
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November 10th 2009:
Unterstützung der Bundestags-Petition Wissenschaft und Forschung - Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen
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October 27th 2009:
Das Aktionsbündnis begrüßt die Absicht der zukünftigen Bundesregierung, das Urheberrecht weiterzuentwickeln.
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October 8th 2009:
Die zukünftige Bundesregierung muss sich der Herausforderung stellen,
über das Urheberrecht die Kreativität der Wissenschaft und die
Innovationsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern
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September 26th 2009:
Antworten der CDU/CSU Bundestagsfraktion und der Piraten Partei auf Wahlprüfsteine ergänzt:
(answers)
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September 21st 2009:
Kollektiver Widerspruch gegen VG Wort-Zwangsvertretung im Google Book Search
(press release)
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September 21st 2009:
Das Aktionsbündnis stellt Antworten der Parteien auf seine Wahlprüfsteine vor — Entscheidungsrelevante Divergenzen sind auszumachen
(answers and synopsis)
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September 4th 2009:
Handlungsempfehlungen für Wissenschaftler zur Rechteübertragung an die VG WORT publiziert
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September 2nd2009:
Das Aktionsbündnis hat einen Amicus Curiae-Brief an das für das GBS Settlement zuständige Gericht geschickt.
(letter)
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September 1st 2009:
Das Aktionsbündnis hat einen Amicus Curiae-Brief an das für das GBS Settlement zuständige Gericht geschickt.
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August 21st 2009:
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June 13th 2009:
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vom 19. Februar 2009: Urheberrecht Dritter Korb
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June 5th 2009:
Nicht-Zustimmung zu der von der VG Wort angestrebten Wahrnehmung der Rechte wissenschaftlicher Autorinnen und Autoren
gegenüber Google Inc. bzw. Google Book Search:
Recommendations,
Press Release
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May 11th 2009:
Nachlese des Sprechers Rainer Kuhlen zur Urheberrechtskonferenz des BMJ
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May 4th 2009:
Empfehlung an die Unterzeichner, und alle anderen Wissenschaftler, zum Verhalten gegenüber dem
Google Book Settlement publiziert und verschickt
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April 27th 2009:
Stellungnahme zur Heidelberger Erklärung publiziert
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March 25th 2009:
Was ist uns Wissenschafts- und Publikationsfreiheit wert?
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October 20th 2008:
Bildungsgipfel ohne Informationsfreiheit nur eine Schimäre
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July 24th 2008:
Vorsichtiger Optimismus — Bewegung im europäischen Urheberrecht? Ein neues Grünbuch der EU-Kommission
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