Pressemitteilung 09/07
vom 6. Juli 2007
Erfolgreiches Scheitern: Vergessen wir den Zweiten Korb — starten wir zum dritten durch
Zusammenfassung:
Die detailliert belegte und oft öffentlich gemachte Kritik des
Aktionsbündnisses ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" an
der schließlich jetzt am 5.7.2007 verabschiedeten zweiten
Urheberrechtsnovellierung hat doch dazu geführt, dass alle
Fraktionen des Bundestags offenbar unsicher geworden sind, ob mit den
neuen Regelungen den Informationsbedürfnissen von Bildung und
Wissenschaft entsprochen worden ist. Nicht zuletzt deshalb waren sich
alle Parteien einig, dass das Durchstarten in einen Dritten Korb
unumgänglich ist. Das Aktionsbündnis begrüßt dies ausdrücklich
und steht weiterhin als konstruktiver Partner für die Politik, aber
auch für die Informationswirtschaft zur Verfügung. Was ansteht, ist
die Entwicklung von auch wirtschaftlich handhabbaren
Geschäftsmodellen für den Umgang mit Wissen und Information unter
Anerkennung des Primats des freien Zugangs zu Wissen in Bildung und
Wissenschaft (Open-Access-Prinzip).
Ausführung:
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" hat
mehrfach im Detail belegt, dass die zweite Urheberrechtsnovellierung,
die gestern im Bundestag verabschiedet worden ist, das Ziel der
Bundesregierung, ein ,,bildungs- und wissenschaftsfreundliches
Urheberrecht" zu schaffen, weitgehend verfehlt hat. Das Urheberrecht
bewegt sich weiter in Richtung dessen, was in der Parlamentsdebatte
keineswegs ironisch der CDU-Abgeordnete Günter Krings das
,,wissenschaftsverlagsfreundliche" Urheberrecht genannt hat —
wofür er sich bemerkenswerter Weise eine ,,Rüge" seines
Fraktionskollegen Carsten Müller eingehandelt hat.
Trotzdem ist die gestrige Anpassung nun beschlossen und muss beachtet
werden. Bildung und Wissenschaft werden allerdings noch stärker als
bislang veranlasst sein, Wege für die informationelle Absicherung
ihrer Arbeit nicht gegen, aber unabhängig vom jetzigen Urheberrecht zu
finden. Das kann kaum anders gehen als verstärkt in Richtung Open
Access. Nur dadurch kann der freie Zugang zunächst einmal zu dem mit
öffentlichen Mitteln finanzierten Wissen für jedermann garantiert
werden. Insofern ist das Desaster des Zweiten Korbs durchaus als ein
erfolgreiches Scheitern zu bezeichnen.
Wie im Sport, so auch in der Politik: nach dem Prozess der
Konsensfindung und nach der Entscheidung ist vor dem Prozess und vor
der nächsten Entscheidung. Es wurde in der Bundestagsdebatte deutlich,
dass sich so gut wie alle Fraktionen des Bundestags einig sind, dass
die Hausaufgaben für Bildung und Wissenschaft jetzt nur sehr vorläufig
gemacht worden sind. Alle Sprecher im Bundestag haben dafür plädiert,
dass ein Dritter Korb unumgänglich sei. In ihm muss den
Informationsbedürfnissen und dem Informationsverhalten in Bildung,
einschließlich der Schulen, und Wissenschaft, inner- und
außeruniversitär, stärker Rechnung getragen werden. Hier haben sich
offenbar die bildungspolitischen Abgeordneten im Bundestag
durchgesetzt.
Das Aktionsbündnis begrüßt diese Wende zu einem Dritten Korb
ausdrücklich und steht weiterhin als konstruktiver Partner für die
Politik, aber auch für die Informationswirtschaft zur Verfügung. Vor
allem fordert das Aktionsbündnis die Verlage - vertreten durch den
Börsenverein - auf, mit Bildung und Wissenschaft direkt in Gespräche
einzutreten, um von der Konfrontation zur Kooperation zu gelangen. Es
ist offensichtlich, dass das Urheberrecht auf Grund der
internationalen Vorgaben und seiner immanenten Systematik, bei der
Wissenschafts- und Informationsfreiheit nur über Ausnahmen
(Schranken) entsprochen werden kann, nur sehr begrenzt in den Umgang
mit Wissen und Information positiv regulierend für Bildung und
Wissenschaft eingreifen kann. Daher fordert das Aktionsbündnis — im
Gleichklang mit der EU Kommission — die Informationswirtschaft auf,
mit der Wissenschaft zusammen Geschäfts- und Organisationsmodelle zu
entwickeln, die unter Anerkennung des Open-Access-Prinzips der
Wirtschaft dennoch wirtschaftliches Handeln auch mit
wissenschaftlichen Informationsobjekten ermöglichen. Dafür zumindest
die Rahmenbedingungen zu setzen, wird dann auch Aufgabe des Dritten
Korbs sein.
Rainer Kuhlen
Sprecher des Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
(http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit
der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland
gegründet. Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes
Urheberrecht ein und fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und
Wissenschaft im öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur
weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des
Aktionsbündnisses ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für
Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde
unterzeichnet von sechs Mitgliedern der Allianz der
Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von über 340 wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von
mehr als 6.300 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind
Prof. Kuhlen (Konstanz), Prof. Beger (Hamburg), Dr. Degkwitz
(Cottbus). Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at
uni-konstanz.de, beger at sub.uni-hamburg.de und degkwitz at
tu-cottbus.de
Impressum
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
c/o Universität Konstanz
Postfach D-87
D-78457 Konstanz
Tel +49-(0) 7531-88-2879 Fax +49-(0) 7531-88-2048
rainer.kuhlen at uni-konstanz.de www.urheberrechtsbuendnis.de
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News  |
Februar 4th 2010:
Die freie Nutzung des mit öffentlichen Mitteln produzierten Wissens muss jedermann möglich sein. Eine Zusatzpetition an den Deutschen Bundestag.
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January 7th 2010:
Das Aktionsbündnis bezieht zum Strategiepapier der EU-Kommission zu Creative Content in a European Digital Single
Market: Challenges for the Future Stellung.
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December 10th 2009:
Das Aktionsbündnis kann das Urteil des OLG Frankfurt
in Sachen § 52b UrhG nicht als angemessen oder gar zukunftsweisend akzeptieren.
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November 30th 2009:
Nachschau der Jahrestagung
Vortragsfolien,
Pressemitteilung
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November 18th 2009:
Google Settlement Version 2 bietet noch Optionen für die Wissenschaft, droht jedoch Europa aus der Sichtbarkeit zu drängen.
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November 14th2009:
Aktionsbündnis beantwortet die öffentlichen Fragen der EUROPEANA zu ihrer strategischen Ausrichtung
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November 12th 2009:
Flyer zur Unterstützung der Open Access Petition publiziert.
(download A5 or
A4 for duplex printout)
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November 10th 2009:
Unterstützung der Bundestags-Petition Wissenschaft und Forschung - Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen
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October 27th 2009:
Das Aktionsbündnis begrüßt die Absicht der zukünftigen Bundesregierung, das Urheberrecht weiterzuentwickeln.
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October 8th 2009:
Die zukünftige Bundesregierung muss sich der Herausforderung stellen,
über das Urheberrecht die Kreativität der Wissenschaft und die
Innovationsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern
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September 26th 2009:
Antworten der CDU/CSU Bundestagsfraktion und der Piraten Partei auf Wahlprüfsteine ergänzt:
(answers)
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September 21st 2009:
Kollektiver Widerspruch gegen VG Wort-Zwangsvertretung im Google Book Search
(press release)
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September 21st 2009:
Das Aktionsbündnis stellt Antworten der Parteien auf seine Wahlprüfsteine vor — Entscheidungsrelevante Divergenzen sind auszumachen
(answers and synopsis)
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September 4th 2009:
Handlungsempfehlungen für Wissenschaftler zur Rechteübertragung an die VG WORT publiziert
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September 2nd2009:
Das Aktionsbündnis hat einen Amicus Curiae-Brief an das für das GBS Settlement zuständige Gericht geschickt.
(letter)
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September 1st 2009:
Das Aktionsbündnis hat einen Amicus Curiae-Brief an das für das GBS Settlement zuständige Gericht geschickt.
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August 21st 2009:
Aktionsbündnis in direkten Verhandlungen mit Google Inc. wegen GBS
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July 28th 2009:
Aktionsbündnis sendet Wahlprüfsteine an die Fraktionsgeschäftsstellen der im Bundestag vertretenen Parteien mit der Aufforderung zur Beantwortung.
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June 13th 2009:
Stellungnahme des Aktionsbündnisses zur Anfrage des Bundesministeriums der Justiz
vom 19. Februar 2009: Urheberrecht Dritter Korb
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June 5th 2009:
Nicht-Zustimmung zu der von der VG Wort angestrebten Wahrnehmung der Rechte wissenschaftlicher Autorinnen und Autoren
gegenüber Google Inc. bzw. Google Book Search:
Recommendations,
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May 11th 2009:
Nachlese des Sprechers Rainer Kuhlen zur Urheberrechtskonferenz des BMJ
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May 4th 2009:
Empfehlung an die Unterzeichner, und alle anderen Wissenschaftler, zum Verhalten gegenüber dem
Google Book Settlement publiziert und verschickt
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April 27th 2009:
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March 25th 2009:
Was ist uns Wissenschafts- und Publikationsfreiheit wert?
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October 20th 2008:
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July 24th 2008:
Vorsichtiger Optimismus — Bewegung im europäischen Urheberrecht? Ein neues Grünbuch der EU-Kommission
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