Pressemitteilung 8/06
vom 15. Mai 2006
Urheberrechtsnovellierung stark korrigieren (!) oder lieber ganz
aussetzen (?)
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
appelliert an die Länder, die fatalen Konsequenzen der Absicht der
Bundesregierung zu korrigieren, ein Urhebergesetz auf den Weg zu
bringen, das entgegen der Zielsetzung ihres Koalitionsvertrages,
keinesfalls ein ,,bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht"
sein wird, sondern ein Desaster für Bildung und Wissenschaft und die
Informationsinfrastrukturen wie Bibliotheken.
Das Aktionsbündnis hat sich in einem Schreiben an die
Ministerpräsidenten der Länder und entsprechend zuständigen
Minister/innen gewandt, um sie darauf aufmerksam zu machen, dass durch
einige der vorgesehenen Regelungen nicht nur erhebliche Mehrkosten auf
die Länder als die Träger der meisten Bildungs- und
Wissenschaftseinrichtungen zukommen werden, sondern dass vor allem auch
die Leistungsfähigkeit des deutschen Bildungs- und Wissenschaftssystems
(auch gegenüber Ländern wie den USA) erheblich eingeschränkt wird. Das
betrifft zum Beispiel
die vorgesehenen Regelungen für die elektronische Dokumentlieferung;
die Bereitstellung besser: die Einschränkung der Bereitstellung
elektronischer Materialien durch die Bibliotheken;
die Sicherung bzw. Verunsicherung zum Aufbau elektronischer
Semesterapparate in der Lehre;
die Unsicherheit, inwieweit noch an sich ja gewünschten Verbundprojekte
der Hochschulen mit der Wirtschaft realistisch oder erfolgreich sein
werden, wenn die Partner aus der Wirtschaft von den öffentlichen
Informationsdienstleistungen ausgeschlossen werden;
die Rücknahme der Rechte von Autoren, über neue Publikationsformen ihrer
Werke mitzuentscheiden, ....
Es mangelt auch der Mut des Gesetzgebers, der von Seiten der
Wissenschaft und der Wissenschaftsorganisationen gewünschten Ausrichtung
des Publikationswesens an dem Open-Access-Prinzip (freier Zugriff für
die Nutzer) auch im Gesetz (z.B. im § 38 UrhG) Rechnung zu tragen.
Es kann nicht sein, dass ein gewiss schützenswertes Urheberrecht, das
inzwischen auch in Deutschland eher zu einem Verwerter- und Handelsrecht
im Interesse großer ausländischer Verlage geworden ist, in der
politischen Wertehierarchie höher steht als die ebenfalls und exponiert
grundgesetzlich geschützten Wissenschafts- und Informationsfreiheiten.
Von Balance oder Ausgleich kann keine Rede in dem
Novellierungsvorschlag sein. Selbst die in der vorgegebenen
EU-Richtlinie von 2001 formulierten Spielräume werden nicht konsequent
ausgenutzt. Deutschland, so der Verdacht, wird als Experimentierfeld
genutzt, um ausloten zu können, wie weit man in Europa beim
Urheberrecht den kommerziellen Interessen entgegen kommen und das
öffentliche Interesse in Bildung und Wissenschaft, aber auch das der
Verbraucher begrenzen kann.
Angesichts der vielfältigen und sich mehrenden Kritik an dem Vorhaben
der zweiten Urheberrechtsnovellierung (Zweiter Korb) - die erste wurde
2003 abgeschlossen - gibt das Aktionsbündnis zu bedenken, ob nicht
dieses Vorhaben jetzt insgesamt zurückgenommen werden sollte, um in Ruhe
an einem Interessensausgleich zu arbeiten. Deutschland ist jetzt nicht
mehr gegenüber der EU in einem Umsetzungszeitdruck, sondern kann sich
daran machen, wie es sich die Politk an sich ja vorgenommen hat, ein
,,bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht" zu schaffen. Die
ersten Reaktionen aus der Bundesratsumgebung deuten darauf hin, dass die
Länder hier weitsichtiger sind als die hier wenig Freiheit wagende
Bundesregierung.
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
(http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit
der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland
gegründet. Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes
Urheberrecht ein und fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und
Wissenschaft im öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur
weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des
Aktionsbündnisses ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für
Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde
unterzeichnet von sechs Mitgliedern der Allianz der
Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von 280 wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von
mehr als 4.000 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind
Prof. Kuhlen (Konstanz), Prof. Beger (Hamburg), Dr. Degkwitz
(Cottbus). Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at
uni-konstanz.de, beger at sub.uni-hamburg.de und degkwitz at
tu-cottbus.de
Impressum
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
c/o Universität Konstanz
Postfach D-87
D-78457 Konstanz
Tel +49-(0) 7531-88-2879 Fax +49-(0) 7531-88-2048
rainer.kuhlen at uni-konstanz.de www.urheberrechtsbuendnis.de
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Februar 4th 2010:
Die freie Nutzung des mit öffentlichen Mitteln produzierten Wissens muss jedermann möglich sein. Eine Zusatzpetition an den Deutschen Bundestag.
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January 7th 2010:
Das Aktionsbündnis bezieht zum Strategiepapier der EU-Kommission zu Creative Content in a European Digital Single
Market: Challenges for the Future Stellung.
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December 10th 2009:
Das Aktionsbündnis kann das Urteil des OLG Frankfurt
in Sachen § 52b UrhG nicht als angemessen oder gar zukunftsweisend akzeptieren.
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November 30th 2009:
Nachschau der Jahrestagung
Vortragsfolien,
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November 18th 2009:
Google Settlement Version 2 bietet noch Optionen für die Wissenschaft, droht jedoch Europa aus der Sichtbarkeit zu drängen.
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November 14th2009:
Aktionsbündnis beantwortet die öffentlichen Fragen der EUROPEANA zu ihrer strategischen Ausrichtung
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November 12th 2009:
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(download A5 or
A4 for duplex printout)
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November 10th 2009:
Unterstützung der Bundestags-Petition Wissenschaft und Forschung - Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen
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October 27th 2009:
Das Aktionsbündnis begrüßt die Absicht der zukünftigen Bundesregierung, das Urheberrecht weiterzuentwickeln.
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October 8th 2009:
Die zukünftige Bundesregierung muss sich der Herausforderung stellen,
über das Urheberrecht die Kreativität der Wissenschaft und die
Innovationsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern
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September 26th 2009:
Antworten der CDU/CSU Bundestagsfraktion und der Piraten Partei auf Wahlprüfsteine ergänzt:
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September 21st 2009:
Kollektiver Widerspruch gegen VG Wort-Zwangsvertretung im Google Book Search
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September 21st 2009:
Das Aktionsbündnis stellt Antworten der Parteien auf seine Wahlprüfsteine vor — Entscheidungsrelevante Divergenzen sind auszumachen
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September 4th 2009:
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September 2nd2009:
Das Aktionsbündnis hat einen Amicus Curiae-Brief an das für das GBS Settlement zuständige Gericht geschickt.
(letter)
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September 1st 2009:
Das Aktionsbündnis hat einen Amicus Curiae-Brief an das für das GBS Settlement zuständige Gericht geschickt.
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August 21st 2009:
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July 28th 2009:
Aktionsbündnis sendet Wahlprüfsteine an die Fraktionsgeschäftsstellen der im Bundestag vertretenen Parteien mit der Aufforderung zur Beantwortung.
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June 13th 2009:
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vom 19. Februar 2009: Urheberrecht Dritter Korb
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June 5th 2009:
Nicht-Zustimmung zu der von der VG Wort angestrebten Wahrnehmung der Rechte wissenschaftlicher Autorinnen und Autoren
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May 11th 2009:
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March 25th 2009:
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