Pressemitteilung 7/09
vom 4. September 2009
Google Book Search: Kein Mandat für die VG Wort
Das Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" empfiehlt
wissenschaftlichen Autoren, ihre Rechte der VG Wort im Rahmen des Google Book
Settlement nicht zu übertragen. Es bestehe die Gefahr, dass wissenschaftliche
Werke auf unbestimmte Zeit dem Zugriff der Öffentlichkeit entzogen werden. Das
kann nicht im Interesse der Wissenschaft an einem freien und umfassenden Zugang
zum publizierten Wissen sein.
Hintergrund:
Die VG WORT hat im August eine Vielzahl von Autoren, auch aus Bildung und
Wissenschaft, angeschrieben, um von ihnen eine Rechteübertragung im
Zusammenhang mit der „Google-Vergleichsvereinbarung" (Settlement ) zu
bekommen. Dabei unterscheidet die VG Wort zwischen sogenannten
Wahrnehmungsberechtigten (Personen, die einen Vertrag mit der VG Wort
unterschrieben haben) und Bezugsberechtigten (Personen, die auf Antrag für
einzelne Werke an der jährlichen Ausschüttung der VG Wort beteiligt werden).
Die Wahrnehmungsberechtigten haben nach Erhalt des Anschreibens sechs Wochen
Zeit, der Änderung ihres Wahrnehmungsvertrages zu widersprechen. Tun sie es
nicht, gilt die Änderung als angenommen. Die VG Wort kann dann von Google
verlangen, die Werke dieses Autors aus dem Google Books Search (GBS) Index zu
entfernen, um sie dann später gesondert zu lizenzieren.
Wahrnehmungsberechtigte unter den Autoren können den Vertragsänderungen
entweder selbst widersprechen oder aber den Verein „Urheberrecht für Bildung und
Wissenschaft e.V." mit einem kollektiven Widerspruch gegenüber VG Wort
beauftragen. Beides ist noch bis zum 15. September möglich. Darüber hinaus
können die Wahrnehmungsberechtigten den bestehenden Vertrag mit der VG Wort
kündigen und sich dann je nach Bedarf wieder als Bezugsberechtigter anmelden.
Bezugsberechtigte unter den Autoren müssen dagegen der Rechteübertragung
explizit zustimmen. Vor allem das Recht, Publikationen aus dem Google Archiv
zurückzuziehen, sollte nach Auffassung des Aktionsbündnisses der VG Wort nicht
übertragen werden. Entsprechend hat der Verein „Urheberrecht für Bildung und
Wissenschaft e.V." den Fragebogen der VG Wort entsprechend den Empfehlungen
des Aktionsbündnisses ausgefüllt und ihn den Bezugsberechtigten zu ihrer
Verfügung bereit gestellt. Unbenommen bleibt es den Autoren, die VG Wort damit zu
beauftragen, rückwirkend die Vergütung für die digitalisierten Werke einzuziehen.
All das betrifft zur Zeit nur vergriffene Werke: Bei aktuell lieferbaren werden die
Rechte bei Google Books Search von Rechteinhabern – Autoren und Verlagen –
direkt wahrgenommen.
Das Aktionsbündnis räumt ein, dass andere Bereiche des kulturellen Schaffens, wie
die Belletristik, im Hinblick auf GBS anders bewertet werden müssen. Autoren und
Kreative, die zur Sicherung ihres Lebensunterhalts in beträchtlichem Ausmaß auf die
Wahrnehmung auch der kommerziellen Verwertungsrechte bestehen müssen,
müssen vor einer unzulässigen Einschränkung ihrer Einnahmen geschützt werden.
Für Wissenschaftler, zumal in öffentlicher Anstellung, sieht es jedoch anders aus.
Wegen der mit der VG Wort-Initiative verbundenen Unsicherheiten (vor allem
bezüglich der zukünftigen Lizenzierung) sollten die Rechte daher nicht an die VG
Wort übertragen werden.
Weitere Informationen über bundeszentrale@urhg-bildung-wissenschaft.de, von der Website des Aktionsbündnisses oder über das Projekt IUWIS – Infrastruktur Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
Sprecher des Aktionsbündnisses Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft
Referenzen:
Rundbrief vom 3. September 2009 mit Handlungsempfehlungen gegenüber der VG
Wort
Rundbrief des Aktionsbündnisses vom 4. Juni: Handlungsbedarf gegenüber der
Änderung des Wahrnehmungsvertrages der VG Wort
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
(http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit
der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland
gegründet. Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes
Urheberrecht ein und fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und
Wissenschaft im öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur
weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des
Aktionsbündnisses ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für
Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde
unterzeichnet von sechs Mitgliedern der Allianz der
Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von über 365 wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von
mehr als 7.000 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind
Prof. Dr. Kuhlen (Konstanz), Dr. Müller (Heidelberg), Dr. Sepp
(Kassel). Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at
uni-konstanz.de, hmueller at mpil.de und sepp at physik.uni-kassel.de.
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News  |
15. Juli 2010:
Aktionsbündnis zieht positives Resümee der 2. Anhörung, sieht aber weiteren Handlungsbedarf für Bildung und Wissenschaft
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6. Juli 2010:
Aktionsbündnis stellt seinen Entwurf einer Wissenschaftsschranke im Urheberrecht vor
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30. Juni 2010:
Mit ENCES (European Network for Copyright in Support of Education and Science) wurde eine wichtige
Interessenvertretung gegründet.
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29. Juni 2010:
Ein Leistungsschutzrecht ist für Presse- und Schulbuch-Verlage ist nicht zu rechtfertigen, wie die Anhörung
des BMJ am 28. Juni 2010
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15. Juni 2010:
Stellungnahme des Aktionsbündnisses zur Rede der Bundesjustizministerin
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14. Juni 2010:
Die Bundesjustizministerin hielt heute ihre Berliner Rede zum Urheberrecht:
[Manuskript der Rede]
[Materialsammlung von IUWIS zum 3. Korb]
Eilmeldung: Stellungnahme des Aktionsbündnisses zur Rede der Ministerin
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4. Februar 2010:
Die freie Nutzung des mit öffentlichen Mitteln produzierten Wissens muss jedermann möglich sein. Eine Zusatzpetition an den Deutschen Bundestag.
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7. Januar 2010:
Das Aktionsbündnis bezieht zum Strategiepapier der EU-Kommission zu Creative Content in a European Digital Single
Market: Challenges for the Future Stellung.
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10. Dezember 2009:
Das Aktionsbündnis kann das Urteil des OLG Frankfurt
in Sachen § 52b UrhG nicht als angemessen oder gar zukunftsweisend akzeptieren.
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30. November 2009:
Nachschau der Jahrestagung
Vortragsfolien,
Pressemitteilung
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18. November 2009:
Google Settlement Version 2 bietet noch Optionen für die Wissenschaft, droht jedoch Europa aus der Sichtbarkeit zu drängen.
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14. November 2009:
Aktionsbündnis beantwortet die öffentlichen Fragen der EUROPEANA zu ihrer strategischen Ausrichtung
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12. November 2009:
Flyer zur Unterstützung der Open Access Petition publiziert.
(Download in A5 oder
A4 für duplex Ausdruck)
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10. November:
Unterstützung der Bundestags-Petition Wissenschaft und Forschung - Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen
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27. Oktober 2009:
Das Aktionsbündnis begrüßt die Absicht der zukünftigen Bundesregierung, das Urheberrecht weiterzuentwickeln.
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8. Oktober 2009:
Die zukünftige Bundesregierung muss sich der Herausforderung stellen,
über das Urheberrecht die Kreativität der Wissenschaft und die
Innovationsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern
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26. September 2009:
Antworten der CDU/CSU Bundestagsfraktion und der Piraten Partei auf Wahlprüfsteine ergänzt:
(Antworten)
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21. September 2009:
Kollektiver Widerspruch gegen VG Wort-Zwangsvertretung im Google Book Search
(Pressemitteilung)
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21. September 2009:
Das Aktionsbündnis stellt Antworten der Parteien auf seine Wahlprüfsteine vor — Entscheidungsrelevante Divergenzen sind auszumachen
(Antworten und Synopse)
(Pressemitteilung)
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4. September 2009:
Handlungsempfehlungen für Wissenschaftler zur Rechteübertragung an die VG WORT publiziert
(Brief)
(Pressemitteilung)
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2. September 2009:
Das Aktionsbündnis hat einen Amicus Curiae-Brief an das für das GBS Settlement zuständige Gericht geschickt.
(Brief)
(Pressemitteilung)
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21. August 2009:
Aktionsbündnis in direkten Verhandlungen mit Google Inc. wegen GBS
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28. Juli 2009:
Aktionsbündnis sendet Wahlprüfsteine an die Fraktionsgeschäftsstellen der im Bundestag vertretenen Parteien mit der Aufforderung zur Beantwortung.
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13. Juni 2009:
Stellungnahme des Aktionsbündnisses zur Anfrage des Bundesministeriums der Justiz
vom 19. Februar 2009: Urheberrecht Dritter Korb
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5. Juni 2009:
Nicht-Zustimmung zu der von der VG Wort angestrebten Wahrnehmung der Rechte wissenschaftlicher Autorinnen und Autoren
gegenüber Google Inc. bzw. Google Book Search:
Empfehlungen,
Pressemitteilung
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11. Mai 2009:
Nachlese des Sprechers Rainer Kuhlen zur Urheberrechtskonferenz des BMJ
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4. Mai 2009:
Empfehlung an die Unterzeichner, und alle anderen Wissenschaftler, zum Verhalten gegenüber dem
Google Book Settlement publiziert und verschickt
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27. April 2009:
Stellungnahme zur Heidelberger Erklärung publiziert
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25. März 2009:
Was ist uns Wissenschafts- und Publikationsfreiheit wert?
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21. Oktober 2008:
E. Steinhauer startet einen Blog zum Wissenschaftsurheberrecht
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20. Oktober 2008:
Bildungsgipfel ohne Informationsfreiheit nur eine Schimäre
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24. Juli 2008:
Vorsichtiger Optimismus — Bewegung im europäischen Urheberrecht? Ein neues Grünbuch der EU-Kommission
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Pressemitteilungen
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Das IUWIS
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in Bildung und Wissenschaft (vorläufiger Webauftritt).
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