Pressemitteilung 5/06
vom 21. März 2006
Katalog der Forderungen und der Kritik an der geplanten Reform des
Urheberrechts auf dem Bibliothekartag in Dresden vom Aktionsbündnis
,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft'' vorgestellt.
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft'' stellt
auf dem 95. Deutschen Bibliothekartag in Dresden (21.-24. März 2006)
zum ersten Mal der Fachöffentlichkeit seinen aktuell erarbeiteten
Katalog der Forderungen an die anstehende Urheberrechtsreform vor.
Kritische Punkte sind u.a die unzureichende Regelung des Zugriffs auf
die elektronischen Wissensbestände in Bibliotheken (in § 52b) -
Wissenschaftler dürfen beispielsweise nicht die lokalen Netzwerke der
Hochschulen nutzen, sondern müssen sich auf dem Weg in die Bibliothek
machen, um sich dort ganz klassisch Notizen machen zu dürfen.
Besonders katastrophale Folgen befürchtet das Aktionsbündnis, wenn nach
dem neuen § 53a es den Bibliotheken ganz verboten sein soll, beim
überregionalen elektronischen Dokumentenversand tätig zu werden, wenn
der Markt - ganz gleich zu welchen Preisen - auf diesem Gebiet aktiv
ist. Vor allem aber werden auf die Studierenden auf inakzeptable Weise
erhebliche Kosten für die Informationsbeschaffung zukommen. Das
Aktionsbündnis lehnt diese Zuweisung von Monopolrechten vor allem an die
großen internationalen Zeitschriftenverlage, die global und entsprechend
den Interessen ihrer Stakeholder operieren, strikt ab. Das ist nicht im
Interesse der deutschen Wirtschaft, schon gar nicht im Interesse von
Bildung und Wissenschaft.
Kritische Punkte sind zudem die weitere Beschränkung von Autorenrechten
(§ 31a), die mangelnde Regelung der Langzeitarchivierung und speziell
der Archivierung von Datenbanken (in § 53), die mangelnde Durchsetzung
der Privatkopie bei zunehmend eingesetzten und vom Gesetzgeber
unverständlicherweise weiterhin stark favorisierten technischen
Schutzmaßnahmen (in § 95b), aber vor allem der drohende Wegfall der
Bildungs- und Wissenschaftsprivilegien (Schranken), wie sie derzeit in §
52a des geltenden Urheberrechts festgehalten sind. Dieser Paragraph
wird, wenn nichts Entscheidendes geschieht, mit Ende 2006 wegfallen. Auf
diese Weise wären die Möglichkeiten, urheberrechtsgeschützte Materialien
in Forschung und Lehre (Seminare, Übungen, Vorlesungen, Semesterapparate
etc.) öffentlich zugänglich zu machen, massiv beeinträchtigt - mit
äußerst negativen Auswirkungen auf neue virtuelle Formen des Lehrens und
Lernens (e-Learning, e-Science) und der damit verbundenen Investitionen
der Hochschulen.
Der Katalog wird später den Hochschulen, Bibliotheken,
Studierendenvertretungen (ASten), aber auch den politischen Instanzen in
Bund und Ländern zugestellt. Er ist aber schon jetzt abrufbar unter:
http://www.urheberrechtsbuendnis.de/docs/ABStellungnahmeKorb2.pdf
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
(http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit
der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland gegründet.
Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes Urheberrecht ein und
fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und Wissenschaft im
öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur weltweiten
Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des Aktionsbündnisses
ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für Bildung und
Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde unterzeichnet von
der Allianz der Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur
Förderung der angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft
Deutscher Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von 260 wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von
mehr als 3600 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind
Prof. Kuhlen (Konstanz), Prof. Beger (Hamburg), Dr. Degkwitz (Cottbus).
Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at uni-konstanz.de,
beger at sub.uni-hamburg.de und degkwitz at tu-cottbus.de
Impressum
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
c/o Universität Konstanz
Postfach D-87
D-78457 Konstanz
Tel +49-(0) 7531-88-2879 Fax +49-(0) 7531-88-2048
rainer.kuhlen at uni-konstanz.de www.urheberrechtsbuendnis.de
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