Pressemitteilung 10/09
vom 8. Oktober 2009
Die zukünftige Bundesregierung muss sich der Herausforderung stellen,
über das Urheberrecht die Kreativität der Wissenschaft und die
Innovationsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern
Das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft hat sich an die Mitglieder der Koalitionsrunde gewandt, damit in die
Zielvorstellungen der neuen Bundesregierung die Aufgabe aufgenommen
wird, an einem modernen, der elektronischen Realität angemessenen
Urheberrecht weiterzuarbeiten.
Der Sprecher des Aktionsbündnis, Prof. Rainer Kuhlen, weist in dem
Anschreiben darauf hin, dass die Weiterentwicklung eines innovations-
und inventionsfördernden Urheberrechts für den Bildungs- und
Wissenschaftssektor sowie für die Wirtschaft insgesamt und damit für die Förderung des Gemeinwohls entscheidend wichtig ist und entsprechend politisch flexibel, undogmatisch und nutzenfreundlich gestaltet werden muss.
Das Aktionsbündnis erinnert daran, dass auch die forschende Industrie und innovative Wirtschaftsunternehmen mittlerweile beklagen, dass die Informationsversorgung immer schwieriger und teurer wird und die
Dienstleistungen der öffentlichen Bibliotheken entweder gar nicht mehr
oder nur gegen hohe Gebühren genutzt werden können.
Genauso wie neues Wissen in der Wissenschaft, so Rainer Kuhlen, nicht ohne Rückgriff auf publiziertes Wissen entstehen kann, wie Aus- und Fortbildung den Stand des Wissens nur vermitteln kann, wenn es freizügig genutzt werden kann, so sind auch Innovationen in Wirtschaft und Gesellschaft nicht möglich, wenn nicht umfassend die neuesten
Forschungsergebnisse und Entwicklungen weltweit berücksichtigt werden
können.
Ob es im Interesse der zukünftigen Regierung liegt, wenn, wie es durch
das jetzige deutsche Urheberrecht geschieht, ein kleiner (im übrigen
eher international, nicht von Deutschland aus organisierter)
Wirtschaftszweig weitgehende Privilegien erhält. Durch diese Privilegien werden alte Geschäftsmodelle geschützt , die zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit des Wissenschaftsstandortes Deutschlands, zu Lasten des Bildungssystems, aber auch zu Lasten der auf Innovationen angewiesenen deutschen Wirtschaft insgesamt gehen.
Das Aktionsbündnis hat es mit Interesse und Zustimmung aufgenommen, dass durch die neue Regierung den im Grundgesetz verankerten elementaren
Rechten neue Geltung verschafft werden soll. Dazu, so erinnert das
Aktionsbündnis, gehören auch Wissenschaftsfreiheit (einschließlich des Rechts auf Informationsversorgung), Informationsfreiheit, aber auch Schutz des geistigen Eigentums.
Dazu fordert das Aktionsbündnis auf, der Vorgabe des
Bundesverfassungsgerichts auch bei der Gestaltung des Urheberrechts
stärker Rechnung zu tragen:
Im Ausgleich der Eigentümerinteressen mit dem Wohl der Allgemeinheit
liegt im Einvernehmen mit dem Bundesverfassungsgericht die Absage an
eine Eigentumsordnung, in der das Individualinteresse den unbedingten
Vorrang vor den Interessen der Gemeinschaft hat.
Das Aktionsbündnis appelliert an Bundesregierung und den neuen
Bundestag, so schnell wie möglich die Verhandlungen zum Dritten Korb der Urheberrechtsreform, wie er ja vom letzten Bundestag beschlossen wurde,
aufzunehmen.
Weitere Informationen über bundeszentrale@urhg-bildung-wissenschaft.de, von
der Website des Aktionsbündnisses oder
über das Projekt IUWIS – Infrastruktur
Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
Sprecher des Aktionsbündnisses Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
(http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit
der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland
gegründet. Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes
Urheberrecht ein und fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und
Wissenschaft im öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur
weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des
Aktionsbündnisses ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für
Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde
unterzeichnet von sechs Mitgliedern der Allianz der
Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von über 365 wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von
mehr als 7.000 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind
Prof. Dr. Kuhlen (Konstanz), Dr. Müller (Heidelberg), Dr. Sepp
(Kassel). Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at
uni-konstanz.de, hmueller at mpil.de und sepp at physik.uni-kassel.de.
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News  |
4. Februar 2010:
Die freie Nutzung des mit öffentlichen Mitteln produzierten Wissens muss jedermann möglich sein. Eine Zusatzpetition an den Deutschen Bundestag.
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7. Januar 2010:
Das Aktionsbündnis bezieht zum Strategiepapier der EU-Kommission zu Creative Content in a European Digital Single
Market: Challenges for the Future Stellung.
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10. Dezember 2009:
Das Aktionsbündnis kann das Urteil des OLG Frankfurt
in Sachen § 52b UrhG nicht als angemessen oder gar zukunftsweisend akzeptieren.
(mehr...)
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30. November 2009:
Nachschau der Jahrestagung
Vortragsfolien,
Pressemitteilung
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18. November 2009:
Google Settlement Version 2 bietet noch Optionen für die Wissenschaft, droht jedoch Europa aus der Sichtbarkeit zu drängen.
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14. November 2009:
Aktionsbündnis beantwortet die öffentlichen Fragen der EUROPEANA zu ihrer strategischen Ausrichtung
(mehr...)
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12. November 2009:
Flyer zur Unterstützung der Open Access Petition publiziert.
(Download in A5 oder
A4 für duplex Ausdruck)
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10. November:
Unterstützung der Bundestags-Petition Wissenschaft und Forschung - Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen
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27. Oktober 2009:
Das Aktionsbündnis begrüßt die Absicht der zukünftigen Bundesregierung, das Urheberrecht weiterzuentwickeln.
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8. Oktober 2009:
Die zukünftige Bundesregierung muss sich der Herausforderung stellen,
über das Urheberrecht die Kreativität der Wissenschaft und die
Innovationsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern
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26. September 2009:
Antworten der CDU/CSU Bundestagsfraktion und der Piraten Partei auf Wahlprüfsteine ergänzt:
(Antworten)
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21. September 2009:
Kollektiver Widerspruch gegen VG Wort-Zwangsvertretung im Google Book Search
(Pressemitteilung)
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21. September 2009:
Das Aktionsbündnis stellt Antworten der Parteien auf seine Wahlprüfsteine vor — Entscheidungsrelevante Divergenzen sind auszumachen
(Antworten und Synopse)
(Pressemitteilung)
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4. September 2009:
Handlungsempfehlungen für Wissenschaftler zur Rechteübertragung an die VG WORT publiziert
(Brief)
(Pressemitteilung)
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2. September 2009:
Das Aktionsbündnis hat einen Amicus Curiae-Brief an das für das GBS Settlement zuständige Gericht geschickt.
(Brief)
(Pressemitteilung)
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21. August 2009:
Aktionsbündnis in direkten Verhandlungen mit Google Inc. wegen GBS
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28. Juli 2009:
Aktionsbündnis sendet Wahlprüfsteine an die Fraktionsgeschäftsstellen der im Bundestag vertretenen Parteien mit der Aufforderung zur Beantwortung.
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13. Juni 2009:
Stellungnahme des Aktionsbündnisses zur Anfrage des Bundesministeriums der Justiz
vom 19. Februar 2009: Urheberrecht Dritter Korb
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5. Juni 2009:
Nicht-Zustimmung zu der von der VG Wort angestrebten Wahrnehmung der Rechte wissenschaftlicher Autorinnen und Autoren
gegenüber Google Inc. bzw. Google Book Search:
Empfehlungen,
Pressemitteilung
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11. Mai 2009:
Nachlese des Sprechers Rainer Kuhlen zur Urheberrechtskonferenz des BMJ
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4. Mai 2009:
Empfehlung an die Unterzeichner, und alle anderen Wissenschaftler, zum Verhalten gegenüber dem
Google Book Settlement publiziert und verschickt
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27. April 2009:
Stellungnahme zur Heidelberger Erklärung publiziert
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25. März 2009:
Was ist uns Wissenschafts- und Publikationsfreiheit wert?
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21. Oktober 2008:
E. Steinhauer startet einen Blog zum Wissenschaftsurheberrecht
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20. Oktober 2008:
Bildungsgipfel ohne Informationsfreiheit nur eine Schimäre
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24. Juli 2008:
Vorsichtiger Optimismus — Bewegung im europäischen Urheberrecht? Ein neues Grünbuch der EU-Kommission
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| Wichtige Links |
Pressemitteilungen
des Aktionsbündnisses
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Das IUWIS
Projekt entwickelt Social-Network mit Informationen zum Urheberrecht
in Bildung und Wissenschaft (vorläufiger Webauftritt).
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