Eilmeldung
vom 14. Juni 2010
Keine Ruckrede — aber doch eine gewisse Ergebnisoffenheit für den Dritten Korb der Urheberrechtsreform
Mit einer grundsätzlichen Rede der Bundesministerin der Justiz Sabine Leutheusser-Schnarrenberger am Abend des 14. Juni 2010 in Berlin zum
Urheberrecht wurde der Dritte Korb der Urheberrechtsanpassung offiziell eröffnet
[Manuskript der Rede].
Zu erwarten war, dass an den Grundfesten des Urheberrechts — dem geistigen Eigentum, dem Werk, dem Urheber (mein Werk gehört mir
— so recht einfältig gut 15 mal in der Einleitungsrede von Monsieur Wickert reklamiert) — nicht gerüttelt werden soll.
Also keineswegs eine Ruck-Rede im Stil des vormaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, der vielmehr als Schützer des geistigen
Eigentums referenziert wurde. Aber doch einige Rückchen.
Die Verwerter bekommen ihr Fett weg, wenn ihnen versichert wird, dass das Urheberrecht keineswegs als Schutz von Geschäftsmodellen reklamiert
werden dürfe, die, aus der analogen Welt stammend, für das Internet nicht mehr taugten. Auch der monopolartige Freiraum für
die Verwertungsgesellschaften wird wohl so nicht bleiben. Aber natürlich wurde auch den digital natives, den
Piraten, massive Kritik entgegen gebracht, wenn sie das Urheberrecht als sozialschädliches Monopol kritisieren.
Auf alle Akteure will die Justizministerin bei den jetzt anstehenden Anhörungen hören. Sie prognostiziert, dass bei der
Komplexität des Urheberrechts am Ende sicher kaum jemand ganz zufrieden sein wird (das hatte ja schon ihre Vorgängerin,
Brigitte Zypries, als Beweis für die Richtigkeit der früheren Reformen angesehen). Dass Bildung und Wissenschaft zum
jetzigen Zeitpunkt nicht zufrieden sein können, zeichnet sich ab. Eigentlich nur ein Satz wurde Bildung und Wissenschaft gewidmet:
Der Zugang zu Bildung und Wissen, der kulturelle Austausch und der kritische Vergleich des Eigenen mit dem Fremden, die
Möglichkeit, Transparenz und Öffentlichkeit zu schaffen — alles dies sind große Chancen. Diese Chancen
dürfen wir nicht gefährden, indem wir bei der aktuellen Urheberrechtsdebatte nur einseitig auf die Risiken der
Digitalisierung und des Internets starren.
Dabei verdankt der Dritte Korb überhaupt nur einer gewissen Betroffenheit von Bundestag und Bundesrat darüber, dass die
bisherigen Regulierungen des Urheberrechts nicht gerade Bildung und Wissenschaft begünstigt hatten, seine Existenz. Der Dritte Korb
sollte eigentlich ein Wissenschaftskorb sein — dies ist umso dringlicher, als der bisherige für Bildung und Wissenschaft zentrale,
wenn auch gänzlich unzureichende Paragraph 52a des Urhebergesetzes bislang immer noch zeitlich befristet ist.
Es ist nachvollziehbar, dass die Ministerin die populären Themen wie Raubkopien, Internetsperren, Überwachung, Ablehnung von
übertriebenen Abmahnungen bei Urheberrechtsverletzungen, Verantwortung der Provider etc. in den Vordergrund stellte. Aber es sollte
gerade einer Ministerin, die gleichermaßen einer liberalen Auslegung der Menschenrechte und dem wirtschaftsliberalen
Primat des Marktes verpflichtet ist, bewusst sein, dass der freie (genehmigungsfreie und auch für die direkte Nutzung weitgehend
vergütungsfreie) Umgang mit (wissenschaftlichem) Wissen innovationsfördernd für die Wirtschaft ist.
Die Ministerin hat die anstehende Debatte um den Dritten Korb als transparent und offen bezeichnet. Allerdings werden die Themen der vier
Anhörungen im Sommer und Frühherbst vom Ministerium vorgegeben. Bildung und Wissenschaft stehen — bis auf einen Ausflug in
Open-Access-Fragen — nicht im Zentrum. Das darf systematisch und aus der Geschichte des Dritten Korbs heraus nicht sein.
Wer die Themen bestimmt, entscheidet über das Ergebnis. Hier sollte das Justizministerium zumindest noch eine weitere
freie, themenoffene Anhörung vorsehen.
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
Sprecher des Aktionsbündnisses Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft
Das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft
(http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit
der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland
gegründet. Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes
Urheberrecht ein und fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und
Wissenschaft im öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur
weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des
Aktionsbündnisses ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für
Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde
unterzeichnet von sechs Mitgliedern der Allianz der
Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von über 365 wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von
mehr als 7.200 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind
Prof. Dr. Kuhlen (Konstanz), Dr. Müller (Heidelberg), Dr. Sepp
(Kassel). Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at
uni-konstanz.de, hmueller at mpil.de und sepp at physik.uni-kassel.de.
Weitere Informationen zum Themenkomplex des Urheberrechts für Bildung und Wissenschaft
bietet auch die Plattform IUWIS.
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8.–9. Dezember 2011:
Fair, open & sustainable: Ein Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft!
Jahrestagung des Aktionsbündnisse in Oldenburg
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News  |
17. November 2011:
Wissenschaftsschranke im Urheberrecht (§ 52a) durch Wissenschaftsklausel ersetzen
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3. Oktober 2011:
Breite Unterstützung für umfassende Verbesserung des Urheberrechts für Bildung und Wissenschaft: Auswertung einer Befragung vorgestellt
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24. August 2011:
Stellungnahme zum Richtlinienvorschlag der EU-Kommission über bestimmte zulässige Formen der Nutzung verwaister Werke
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19. Juli 2011:
Befragung zu den Erwartungen der in Bildung und Wissenschaft Tätigen zu ihren Anforderungen an das UrhG
(Fragebogen...)
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29. Juni 2011:
Perspektiven für den Dritten Korb durch die Enquete-Kommission des Bundestags
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23. März 2011:
Google bleibt beim Urheberrecht am Ball mit Perspektive 2035 — Einiges sollte jetzt schon möglich sein!
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17. März 2011:
Chancen für eine Annäherung an ein Zweitverwertungsrecht im Urheberrecht durch SPD-Gesetzentwurf
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27. Februar 2011:
Folgen aus dem Fall Guttenberg — Wissenschaft wehrt sich gegen Bagatellisierung
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4. Januar 2011:
Der Teufel steckt im Detail — Verwaiste Werke: Aktionsbündnis mahnt Transparenz an
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13. Dezember 2010:
IGEL: Die Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht startet mit vielen Unterstützern
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21. September 2010:
Aktionsbündnis warnt vor Informationsvernichtung aus vorauseilendem Gehorsam
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15. Juli 2010:
Aktionsbündnis zieht positives Resümee der 2. Anhörung, sieht aber weiteren Handlungsbedarf für Bildung und Wissenschaft
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6. Juli 2010:
Aktionsbündnis stellt seinen Entwurf einer Wissenschaftsschranke im Urheberrecht vor
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30. Juni 2010:
Mit ENCES (European Network for Copyright in Support of Education and Science) wurde eine wichtige
Interessenvertretung gegründet.
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29. Juni 2010:
Ein Leistungsschutzrecht ist für Presse- und Schulbuch-Verlage ist nicht zu rechtfertigen, wie die Anhörung
des BMJ am 28. Juni 2010
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15. Juni 2010:
Stellungnahme des Aktionsbündnisses zur Rede der Bundesjustizministerin
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14. Juni 2010:
Die Bundesjustizministerin hielt heute ihre Berliner Rede zum Urheberrecht:
[Manuskript der Rede]
[Materialsammlung von IUWIS zum 3. Korb]
Eilmeldung: Stellungnahme des Aktionsbündnisses zur Rede der Ministerin
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4. Februar 2010:
Die freie Nutzung des mit öffentlichen Mitteln produzierten Wissens muss jedermann möglich sein. Eine Zusatzpetition an den Deutschen Bundestag.
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7. Januar 2010:
Das Aktionsbündnis bezieht zum Strategiepapier der EU-Kommission zu Creative Content in a European Digital Single
Market: Challenges for the Future Stellung.
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10. Dezember 2009:
Das Aktionsbündnis kann das Urteil des OLG Frankfurt
in Sachen § 52b UrhG nicht als angemessen oder gar zukunftsweisend akzeptieren.
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30. November 2009:
Nachschau der Jahrestagung
Vortragsfolien,
Pressemitteilung
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18. November 2009:
Google Settlement Version 2 bietet noch Optionen für die Wissenschaft, droht jedoch Europa aus der Sichtbarkeit zu drängen.
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14. November 2009:
Aktionsbündnis beantwortet die öffentlichen Fragen der EUROPEANA zu ihrer strategischen Ausrichtung
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12. November 2009:
Flyer zur Unterstützung der Open Access Petition publiziert.
(Download in A5 oder
A4 für duplex Ausdruck)
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10. November:
Unterstützung der Bundestags-Petition Wissenschaft und Forschung - Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen
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27. Oktober 2009:
Das Aktionsbündnis begrüßt die Absicht der zukünftigen Bundesregierung, das Urheberrecht weiterzuentwickeln.
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8. Oktober 2009:
Die zukünftige Bundesregierung muss sich der Herausforderung stellen,
über das Urheberrecht die Kreativität der Wissenschaft und die
Innovationsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern
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26. September 2009:
Antworten der CDU/CSU Bundestagsfraktion und der Piraten Partei auf Wahlprüfsteine ergänzt:
(Antworten)
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21. September 2009:
Kollektiver Widerspruch gegen VG Wort-Zwangsvertretung im Google Book Search
(Pressemitteilung)
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21. September 2009:
Das Aktionsbündnis stellt Antworten der Parteien auf seine Wahlprüfsteine vor — Entscheidungsrelevante Divergenzen sind auszumachen
(Antworten und Synopse)
(Pressemitteilung)
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4. September 2009:
Handlungsempfehlungen für Wissenschaftler zur Rechteübertragung an die VG WORT publiziert
(Brief)
(Pressemitteilung)
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2. September 2009:
Das Aktionsbündnis hat einen Amicus Curiae-Brief an das für das GBS Settlement zuständige Gericht geschickt.
(Brief)
(Pressemitteilung)
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21. August 2009:
Aktionsbündnis in direkten Verhandlungen mit Google Inc. wegen GBS
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28. Juli 2009:
Aktionsbündnis sendet Wahlprüfsteine an die Fraktionsgeschäftsstellen der im Bundestag vertretenen Parteien mit der Aufforderung zur Beantwortung.
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13. Juni 2009:
Stellungnahme des Aktionsbündnisses zur Anfrage des Bundesministeriums der Justiz
vom 19. Februar 2009: Urheberrecht Dritter Korb
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5. Juni 2009:
Nicht-Zustimmung zu der von der VG Wort angestrebten Wahrnehmung der Rechte wissenschaftlicher Autorinnen und Autoren
gegenüber Google Inc. bzw. Google Book Search:
Empfehlungen,
Pressemitteilung
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11. Mai 2009:
Nachlese des Sprechers Rainer Kuhlen zur Urheberrechtskonferenz des BMJ
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4. Mai 2009:
Empfehlung an die Unterzeichner, und alle anderen Wissenschaftler, zum Verhalten gegenüber dem
Google Book Settlement publiziert und verschickt
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27. April 2009:
Stellungnahme zur Heidelberger Erklärung publiziert
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25. März 2009:
Was ist uns Wissenschafts- und Publikationsfreiheit wert?
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21. Oktober 2008:
E. Steinhauer startet einen Blog zum Wissenschaftsurheberrecht
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20. Oktober 2008:
Bildungsgipfel ohne Informationsfreiheit nur eine Schimäre
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24. Juli 2008:
Vorsichtiger Optimismus — Bewegung im europäischen Urheberrecht? Ein neues Grünbuch der EU-Kommission
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| Wichtige Links |
Pressemitteilungen
des Aktionsbündnisses
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Projekt entwickelt Social-Network mit Informationen zum Urheberrecht
in Bildung und Wissenschaft (vorläufiger Webauftritt).
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